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Krähen schlauer als Affen: Experiment testet kognitive Fähigkeiten

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Von: Sina Lück

In einem Experiment fanden Wissenschaftler heraus, dass Krähen komplexe Muster erkennen können. Dabei schnitten sie besser ab als Affen.

Krähen sind für viele Menschen nur lästige Kreaturen. Schaut man allerdings genauer hin, haben die schwarzen Vögel faszinierende Eigenschaften. Beispielsweise können sie Werkzeuge benutzen, vorausschauend planen und verstehen das Prinzip der Null. Selbst Kinder benötigen einige Jahre, um ein Verständnis für Zahlenwerte zu entwickeln. Nun fanden Wissenschaftler heraus, dass Krähen außerdem in der Lage sind, komplexe kognitive Prinzipien zu erfassen – und damit Affen deutlich überlegen sind.

Krähen schlauer als Affen: Experiment testet kognitive Fähigkeiten

Krähen sind schlauer als Affen. Das beweist eine Studie, die die kognitiven Fähigkeiten der Vögel untersucht hat.
Krähen sind schlauer als Affen. Das beweist eine Studie, die die kognitiven Fähigkeiten der Vögel untersucht hat. (Symbolbild) © Michael Schöne/Imago

In der Studie testen Diana Liao, Postdoktorandin an der Universität Tübingen, und ihr Forscherteam eine bestimmte kognitive Fähigkeit bei Krähen: die sogenannte Rekursion. Darunter versteht man das Einbinden von Strukturen in ähnliche Strukturen. Ein Beispiel von Rekursion in der Linguistik ist das Einbetten oder Wiederholen von sprachlichen Elementen. So wie in diesem Satz: Die Katze, die die Maus jagte, miaute. Die Rekursion gilt als Grundlage symbolischer Kompetenz und wird häufig als eine einzigartige menschliche Fähigkeit angesehen. Einige Menschen haben außerdem viel Mitgefühl für andere Lebewesen: So wie eine Familie, die einem Krähen-Baby das Leben rettet.

Die neue Untersuchung deutet allerdings daraufhin, dass Krähen dazu ebenfalls in der Lage sind. „Eines der markantesten Merkmale der menschlichen kommunikativen Kognition könnte sich als nicht so menschenspezifisch erweisen“, erläutert Hauptautorin Diana Liao gegenüber Live Science. In Schweden haben die Vögel dagegen noch eine ganz andere Fähigkeit: Dort sollen Krähen als Müllsammler Zigarettenstummel entsorgen.

Krähen schlauer als Affen: Vögel lernen Sequenzen verschiedener Symbole

Bei dem Experiment sollten zwei Tiere lernen, paarige Elemente wie geöffnete und geschlossene Klammern zu unterscheiden, die in größeren Sequenzen integriert sind. Dafür machten die Wissenschaftler die Vögel zunächst mit verschiedenen Symbolen vertraut: { }, [ ] und < >. Nachdem die Krähen die Symbole kennengelernt hatten, sollten sie mit dem Schnabel in das Zentrum einer eingebetteten rekursiven Sequenz picken wie etwa bei { ( ) } oder ( { } ).

Bei jeder korrekten Reaktion bekamen die Krähen Futter zur Belohnung. Nach etwa einer Woche hatten sie das Prinzip verstanden und bekamen eine weitere Aufgabe: Die Forscher zeigten ihnen Sequenzen ähnlicher Symbole, die sie zuvor noch nie gesehen hatten, z. B. { } [ ]. Konfrontiert man Menschen, Kleinkinder und Affen mit ähnlichen Tests können sie das Prinzip normalerweise korrekt übertragen. Wenn beispielsweise { ( ) } korrekt ist, verstehen sie, dass auch { [ ] } oder [ { } ] richtig ist.

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Krähen schlauer als Affen: Vögel liegen in 40 Prozent der Fälle richtig

Die Ergebnisse des Experiments, die in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht wurden, sind verblüffend: Verglichen mit Kindern im Vorschulalter schnitten die Krähen ähnlich gut bei den Tests ab. In etwa 40 Prozent der Fälle wählten die Vögel die mittig eingebetteten Elemente aus. Das Interessante: Damit liegt ihre Trefferquote deutlich über denen von Rhesusaffen mit nur 26 Prozent. Das zeigte eine Studie aus 2020. Dagegen entschieden sich erwachsene Menschen in 60 bis 90 Prozent der Fälle für eine im Zentrum eingebettete Struktur. Kinder wählten dies in 43 Prozent der Fälle.

Aufgrund der Ergebnisse vermutet Diana Liao, dass die rekursive Logik eine Schlüsselkomponente der Kommunikation ist – auch für Krähen. „Wenn Rabensingvögel rekursive Strukturen verstehen und produzieren können, können sie sie auch für die vokale Kommunikation und die Verwaltung ihrer komplizierten sozialen Beziehungen verwenden“, so die Wissenschaftlerin.

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