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Ein Rothirsch steht auf der Wiese. (Symbolbild)

Große und kleine Geweihträger

Rotwild, Reh und Elche – Spannende Fakten über Hirsche

Hirsche sind die Könige des deutschen Waldes. Aber wussten Sie, dass es über achtzig Arten der Geweihträger gibt? Alles über die beliebtesten Paarhufer in Europa.

Göttingen – Dürfen Rothirsche sich frei in einer offenen Landschaft bewegen, fördert das die Vielfalt der Vegetation. Das ergab eine Studie der Georg-August-Universität Göttingen, die über drei Jahre auf einem Gruppenübungsplatz durchgeführt wurde. Das ist eine wichtige Entwicklung für Hirsche: Aktuell leben sie nämlich nur in ausgeschriebenen Rotwildbezirken. Trifft man die Tiere bald wieder im ganzen Bundesgebiet in Wald und Flur?

Viele denken: Der Hirsch ist der Mann vom Reh. In gewisser Weise stimmt das auch, denn jedes Reh ist ein Hirsch. Andersherum ist allerdings nicht jeder Hirsch ein Reh. Hirsche sind eine große Familie von Paarhufern. Über achtzig Arten sind in ganz Europa, Teilen von Asien, Amerika bis hin nach Afrika verbreitet. Darunter fallen Rothirsche, Damhirsche, Rehe, die riesigen Elche, aber auch der kleine südamerikanische Nordpudu, der gerade mal so groß ist wie ein Hund. Der lateinische Name der Hirsche beträgt „Cervidae“, was übersetzt „Geweihträger“ bedeutet – eines ihrer markantesten Merkmale. Bei allen Hirscharten trägt das Männchen ein imposantes Geweih, das anders als das Horn der Ziegen im Herbst abgeworfen wird. Eine Ausnahme bilden die Rentiere. Hier trägt auch das Weibchen ein Geweih.

Rotwild, Reh und Elche: Rotwild – der König der deutschen Wälder

Spricht man in Deutschland vom Hirsch, so ist in der Regel der Rothirsch gemeint: das größte frei lebende Wildtier hierzulande. Ehemals weitverbreitet, haben Hirsche heute nur noch wenig Lebensraum. Sie müssen sich in eigens ausgezeichneten Gebieten aufhalten. Damit besiedeln sie nur noch rund ein Viertel des Bundesgebietes. Mit mehr Raum würden sie jedoch auch hundert Kilometer zu weiteren Brunftplätzen wandern.

  • Besondere Merkmale des Rothirsches:
  • Schulterhöhe: ca. 150 cm
  • Gewicht: 160 – 205 kg
  • Fell im Sommer rotbraun, im Winter graubraun
  • Population in Deutschland: etwa 220.000 Tiere
  • Wird bis zu 20 Jahre alt
  • Das Weibchen wird Hirschkuh genannt, das Jungtier Kalb
  • Natürliche Feinde: Bären, Wolfsrudel

Rotwild, Reh und Elche: Gefräßig, aber gut für die Vegetation

Die großen Tiere haben einen hohen Kalorienbedarf. Ihre Ernährungspalette erstreckt sich über Gräser, Knospen, Kräuter, Blätter, junge Triebe bis hin zu Eicheln, Bucheckern, Obst, Pilze, Rüben, Kartoffeln, Rinde und Moos. Dabei beschädigen sie die Bäume, was sie in der Forstwirtschaft unbeliebt macht. Für die Natur sind sie hingegen ein wichtiges Glied im Ökosystem: Sie stutzen Pflanzen und schaffen Platz für Neues. An ihren Hufen und im Fell transportieren sie Samen über viele Kilometer und sorgen so für eine vegetative Vielfalt.

Rotwild, Reh und Elche: Der Platzhirsch gewinnt die Weibchen

Der Hirsch ist ein soziales Tier und lebt in gleichgeschlechtlichen Rudeln zusammen. Im September und Oktober ist die Brunftzeit. Jetzt hört man das typische Röhren der männlichen Hirsche. Auch typisch: Männchen von ähnlicher Stärke treten auf dem Brunftplatz zum Dominanzkampf an. Dabei attackieren sich die Rivalen frontal mit ihren Geweihen und versuchen, sich vom Platz zu schieben. Schließlich wird der Schwächere fliehen, der Platzhirsch darf die Weibchen begatten. Nach der Brunft fällt das Geweih ab und sogleich beginnt ein Neues zu wachsen.

Die Hirschkuh ist rund sieben Monate trächtig und gebärt im Mai oder Juni ein Kalb. Vorher verjagt sie in der Regel das ältere Jungtier. Die weiblichen Jungtiere kehren aber oft nach kurzer Zeit zur Mutter zurück. So entstehen Rudel, bestehend aus Hirschkühen und ihren Kälbern.

Rotwild, Reh und Elche: Das Reh – besonders bei Kindern beliebter Waldhüpfer

An einem frühen Morgen trifft man sie auf Lichtungen und Wiesen. Oder sie springen unverhofft während eines Spaziergangs über den Weg: Rehe sind eine beliebte Attraktion in deutschen Wäldern. Sie sind weitverbreitet und praktisch in jedem größeren Waldgebiet anzutreffen. Dabei sind die Tiere friedliche Gesellen. Bei Gefahr schlüpfen sie blitzschnell durchs dichte Unterholz. Dem Reh sehr ähnlich ist der Damhirsch. Dieser ist aber fast nur in Niedersachsen zu finden. Man erkennt ihn an seinen weißen Punkten im rotbraunen Fell – dadurch wird er leicht für ein großes Rehkitz gehalten.

  • Besondere Merkmale des Rehs:
  • Schulterhöhe: ca. 50 – 80 cm
  • Gewicht: 10 – 30 kg
  • Fell im Sommer rotbraun bis gelblich, im Winter grau, markant: weißer Bereich am Hinterteil, der sogenannte „Spiegel“
  • Population in Deutschland: ca. 2,5 Millionen
  • Wird etwa zwölf Jahre alt
  • Das Männchen heißt Rehbock, das Weibchen Ricke, das Jungtier Kitz
  • Natürliche Feinde: Vor allem für Jungtiere sind Adler, Wildkatzen, Wildschweine, Hunde, Füchse, Luchse und Wölfe gefährlich

Rotwild, Reh und Elche: Futter – Rehe lieben junge Triebe

Das kleine Reh ist im Vergleich zum Hirsch eher genügsam: Es frisst gerne Blätter, Gräser, Kräuter, aber auch Knospen und junge Triebe, weswegen der Förster sie lieber von jungen Pflanzen fernhält. Bei ihrer Suche nach Futter scharren sie den Waldboden auf. So finden Samen eine optimale Grundlage zum Wachsen. Wie alle Hirscharten sind Rehe Wiederkäuer.

Rotwild, Reh und Elche: Das Territorialverhalten der Rehe

Rehe leben tendenziell allein. Nur im Herbst finden sie sich in kleinen Gruppen zusammen, die „Sprünge“ genannt werden. Sie bewegen sich in eher kleinen, festen Revieren. Diese markieren sie über Duftdrüsen an den Beinen und an der Stirn. Im Frühjahr kämpfen die Böcke um ein Gebiet.

Die Paarungszeit ist schließlich im Juli und August. Das Besondere: Die befruchteten Keime ruhen bis Dezember und entwickeln sich erst dann weiter, sodass die Kitze im Mai und Juni geboren werden. In der Regel bekommt eine Ricke nur ein Jungtier, gelegentlich auch Zwillinge. Auch der Rehbock verliert im Herbst sein Geweih. Das ist reich an Kalium und Phosphor und daher beliebt bei Nagetieren.

Rotwild, Reh und Elche: Der Elch – Riese des Nordens

Im Norden eine beliebte Touristenattraktion: der Elch. Die größte und äußerst imposante Hirschart ist in Nordeuropa, Kanada, Alaska und Nordasien wie der Mongolei zu Hause. Früher war der Elch auch in Deutschland verbreitet, während des Zweiten Weltkrieges verschwanden aber die letzten Tiere. Nun kehren sie langsam aus dem Osten zurück.

  • Besondere Merkmale des Elchs:
  • Schulterhöhe: bis zu 210 cm
  • Gewicht: bis zu 1.000 kg
  • Schwarz-braunes Fell
  • Prägnant sind der lange Kehlbart und die überhängende Oberlippe
  • Wird bis zu 15 Jahre alt
  • Man nennt sie Bullen, Kühe und Kälber
  • Natürliche Feinde: praktisch keine für ausgewachsene Elche, Jungtiere sind von
  • Wölfen, Luchsen, Bären, Vielfraßen, Mardern, Pumas oder dem sibirischen Tiger gefährdet

Rotwild, Reh und Elche: Elche fressen alles, was hoch hängt

Die riesigen Elche genügen sich mit Zweigen, Blättern, Knospen, Gräsern, Kräutern, Moos oder Flechten. Allerdings fressen sie nur ungern Pflanzen vom Boden, da ihr Hals zu kurz ist und sie dafür in die Knie gehen müssen. Dafür landen auch Wasserpflanzen wie Seerosen in ihren vier Mägen. Bei ihrer Nahrungssuche beschränken sich Elche auf ein eher kleines Territorium.

Rotwild, Reh und Elche: Einzelgänger auf weiter Flur

Elche sind am liebsten allein unterwegs. Gerade während der Paarungszeit wollen sie keine Geschlechtsgenossen um sich haben. Elche bewohnen riesige Reviere von bis zu 500 Hektar. Dieses wird von den Bullen streng verteidigt. Die Tiere können aber auch weite Strecken wandern. Dabei schließen sie sich zu losen Verbänden zusammen. Im Herbst ist Brunftzeit. Die Kühe sind anschließend für etwa acht Monate trächtig und bringen in der Regel nur ein Kalb zur Welt. Dieses kann schon nach kürzester Zeit laufen und mit der Mutter ziehen.

Rotwild, Reh und Elche: Größter Feind ist der Mensch

Gerade große Hirsche wie das Rotwild oder Elche haben nur wenige natürliche Feinde. Die größte Gefahr ist für sie der Mensch. Besonders im Straßenverkehr werden viele Tiere verletzt oder getötet. Nach einem Unfall ziehen sich die verletzten Tiere oft in den Wald zurück, wo sie dann qualvoll sterben. Deswegen muss unbedingt die Polizei gerufen werden, die im Zweifelsfall einen Jäger verständigt. Dabei sollten Sie sich von verletzten Tieren fernhalten: Diese könnten in Panik geraten und für Sie gefährlich werden.