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Ukrainerin lässt kein Tier zurück – und ist mit ihren Pferden auf der Flucht

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Von: Lara-Sabrina Kiehl

Anita Krylova wollte eigentlich in ihrer Heimat bleiben. Doch als sie erlebt, wie der Krieg mehrere Reitställe zerstört, entscheidet sie sich zur Flucht – mit elf Pferden.

Kiew – Millionen von Menschen müssen ihre Heimat, die Ukraine, verlassen. Denn ein sicheres Leben ist dort nicht mehr möglich. Doch wo Menschen sind, sind meist auch Tiere. Vierbeiner, an denen viele Besitzer so sehr hängen, dass sie das Land nicht ohne sie verlassen wollen. So auch Anita Krylova: Für sie steht fest, dass sie nicht ohne ihre Pferde geht.

Für Pferdebesitzer wird es besonders kompliziert. Der Transport von Pferden ist ohnehin mit einem höheren logistischen Aufwand verbunden. Und unter Kriegsbedingungen wie in der Ukraine fast unmöglich. Doch wo ein Wille ist, scheint sogar unter schwersten Bedingungen manchmal auch ein Weg zu sein. Mit elf Pferden, dreizehn Personen, zwei Hunden und einer Katze macht sich Anita Krylova auf die Flucht.

Ukrainerin lässt kein Tier zurück – und ist mit ihren Pferden auf der Flucht

Anita Krylova ist eine Pferdefrau durch und durch. Im Osten von Kiew arbeitet sie als Pferdetrainerin und legt ihren Fokus auf Freiarbeit und eine harmonische Zusammenarbeit mit dem Partner Pferd, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Insgesamt hat sie elf Pferde. Eine Flucht mit allen ihren Lieblingen erscheint ihr unmöglich, weswegen sie in ihrer Heimat bleiben möchte.

Doch die Lage spitzt sich zu. Anita Krylova muss miterleben, wie Reitställe in der Nähe zerstört werden und sogar Pferde ihrer Freunde ums Leben kommen. Also fasst sie den Entschluss, zu fliehen. Die Frage ist jedoch, wie nur? Denn obwohl es viele Hilfsangebote aus der EU gibt, kommt niemand mit Pferdetransportern nach Kiew in die Gefahrenzone. Da sie selber nicht genügend Autos und Anhänger hat, baut ihr Freund in drei Tagen und zwei Nächten einen LKW zum Pferdetransporter um. Aus Angst vor dem Krieg sind viele Menschen auch mit ihren Haustieren auf der Flucht*.

Zwei Haflinger stehen im Pferdehänger. (Symbolbild)
Anita Krylova schafft es, einen Transport für sich und ihre elf Pferde zu organisieren. (Symbolbild) © Südtirolfoto/Imago

Ukrainerin lässt kein Tier zurück – acht Pferde reisen in selbstgebautem Transporter

„Wir haben niemanden zurückgelassen“, berichtet Anita Krylova. Acht Pferde stehen nun auf dem selbstgebauten Transporter und drei Ponys im Anhänger. Mit dabei sind aber auch noch zwei Hunde, eine Katze und dreizehn Menschen. Um Kiew muss die Gruppe einen großen Umweg fahren, um den Schüssen und Raketen zu entkommen. Ein Umweg, der aber auch viel Sprit kostet – und der in der Ukraine knapp ist.

Die Strecke zieht sich. Denn immer wieder stehen sie in Staus oder hören Sirenen und sehen Raketen fliegen. Doch „wie durch ein Wunder“ ist ihnen nichts passiert, freut sich Anita Krylova. Dieser Mann trägt seinen Schäferhund bis an die polnische Grenze*.

Ukrainerin lässt kein Tier zurück – Unterwegs gibt es kaum Wasser und Futter

Nach drei Tagen kommen sie im 370 Kilometer entfernten Westen der Ukraine an. Dort werden sie in einem Reitstall von Bekannten aufgenommen. Unterwegs gab es für die Pferde kaum Wasser und nur wenig Futter. Auch konnten sie nicht abgeladen werden. Doch in dem Reitstall können sie etwas zur Ruhe kommen, auch wenn dort ebenfalls das Futter knapp ist.

Ukrainerin lässt kein Tier zurück – große Hürden an der Grenze zu Polen

Wie lange Anita Krylova dort bleibt, weiß sie noch nicht. Eigentlich möchte sie nach Polen. Stallbetreiber haben ihr angeboten, ihr Team und ihre Pferde dort aufzunehmen. Doch die Hürden sind groß. Für Pferde gelten Einreisebestimmungen. Denn die Ukraine ist ein Drittland, von dem aus kein Pferd ohne tierärztliches Gesundheitszeugnis in die EU einreisen darf. Außerdem muss der Pferdepass sowie eine Impfbescheinigung vorliegen. Auch müssen die Pferde gechipt sein und nach Einreise für 21 Tage in Quarantäne.

Hinzukommt, dass es nur einen einzigen Grenzübergang gibt, über den Pferde transportiert werden dürfen, berichtet die Ukrainische Reiterliche Vereinigung (UEF). Die Stiftung koordiniert unter anderem Futterspenden und Transporte. Wie viel die Dokumente und Bescheinigungen kosten werden, weiß Krylova nicht. Viel Geld hat sie nicht mehr und musste alles zurücklassen: „Es war nicht leicht, aber wir hatten keine andere Wahl, wir mussten die Pferde und uns in Sicherheit bringen.“ *Landtiere.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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